Jakobsweg
Ein kleiner Ausschnitt
Vom 20.6-31.08.2009 war ich unterwegs auf dem Jakobsweg, es war eine sehr intensive Erfahrung mit mir selbst, ich bin um die 700km gelaufen und durfte erfahren, wie wenig ich eigentlich zum leben brauche und wie schön es sein kann, sich an den kleinen Dingen des lebens zu erfreuen! Es war eine hohe körperliche Herausforderung, bei Etappen zwischen 20 und 40 km, der Weg fing in Sevilla an und ging erst mal durch die Extremadura, ca 300 km Steppe, täglich um die 40 C…
Grund:
Die Liebe und alles was damit zusammenhängt, war der Grund für meinen Entschluss, Trauer und Schmerz, haben mir gezeigt, das es an mir lag, das ich das beste was ich bis zu diesem Zeitpunkt im Leben erleben durfte, verloren habe! Es war so unendlich Gefühlsintensiv, das ich es nicht mit meinen anderen Beziehungen vergleichen kann, als ich sie damals Kennlernte, habe ich 5 Tage geheult vor Freude, es war so überwältigend!
Als die Beziehung vorbei war habe ich 3 Tage geheult, während dieser Zeit hatte ich alles was wir geschrieben hatten, ab dem Zeitpunkt, wo es angefangen hatte zu zerbrechen, noch einmal gelesen, ja und „ich“ habe das Gefühl zerstört…. wegen nichts!
Ich wollte lernen alleine zu sein, meine Gedanken abzuschalten, die Welt und vor allem die Menschen so zu akzeptieren wie sie sind, im besonderen die, die das Gefühl Liebe bei mir auslösen! Denn das konnte ich bei ihr nicht und ebenfalls noch bei keiner anderen!
Erlebnisse und Erfahrungen
Vor dem Weg:
Noch bevor ich entschlossen hatte den Jakobsweg zu laufen, hat sich die Richtung meiner Begegnungen und Erlebnissen angefangen zu zeigen, Liebe, Beziehung und Sexualität, der Hauptbereich, meiner ganzen Probleme!
Ich durfte vor dem Weg erleben was Liebe bedeutet und wie es ist, wenn die Liebe von Tag zu Tag stärker wird, welche Ausmasse Liebe erreichen kann und wie zerbrechlich sie ist!
Vor dieser Zeit dachte ich immer, dass verliebt sein ist nur der Anfang von Liebe und wird sich irgend wann auflösen und etwas neues entsteht, wahre Liebe! Naja, dahin bin ich nie gekommen, ich habe versucht Liebe, dieses Gefühl, für mich zu definieren und es für mich zu verstehen! Die einzelnen Definitionen haben sich für mich immer besser angefühlt und doch hatten sie nichts mit der Realität zu tun! Denn egal wie sehr sich mein Kopf anstrengt Gefühle zu verstehen, es sind Gefühle, sie lassen sich nur fühlen! Zuvor habe ich immer die einzelnen Gefühle versucht zu definieren, doch egal wie viele Definitionen ich für die einzelnen Nuancen, dieses Gefühls aufstelle, es gibt nur ein Gefühl, das sich von Moment zu Moment verändert, egal welche Definition ich wähle, es ist alles Liebe, ohne Liebe könnte ich nicht traurig sein, ohne Liebe nicht eifersüchtig, ohne Liebe nicht hassen…..
Liebe ist und gibt das äußere geschehen, im inneren wieder!
Doch der Kopf kann und wird es nie begreifen!
Daher musste jede meiner Beziehungen scheitern, ab dem Moment, wo meine Kopf versucht hat die Liebe zu regeln ... Gefühle lassen sich nicht regeln, nur fühlen und annehmen! Es ist immer das gleiche Gefühl! Das auf das was passiert reagiert!
Beziehungen:
All meine Paar-Beziehungen scheiterten an dem fehlenden Verständnis, das jeder Mensch das tun muss was er für richtig hält, die fehlende Akzeptanz das jeder Mensch frei ist und selbst für sein leben verantwortlich ist! Ich habe immer versucht meinen Partnerinnen, das aufzuerlegen was ich für richtig hielt. Ich habe oft versucht mit aller Kraft die ich aufbringen konnte, Menschen die ich geliebt habe zu verändern, dazu zu bewegen das zu tun was ich sage! Doch es musste erst so sehr weh tun, damit ich realisiert habe, das dominantes und bestimmendes Verhalten, basierend auf der festen Überzeugung, ich habe recht, nur zu dem Verlust der Menschen führen konnte die ich liebe!
Sexualität:
Meine ersten Erfahrungen mit der Sexualität hatte ich mit 6 Jahren, es war nicht gewaltsam, dennoch war es viel zu früh, dieses Thema, wurde dadurch für mich zu einem Tabuthema, über das man nicht spricht, mit der grossen Unsicherheit, immer alles falsch zu machen!
Die ersten Tage:
Ohne das ich es wusste, war dieser Teil des Jakobsweges genau das was ich wollte und wie ich es mir vorgestellt hatte, außer ein paar Radfahrern, lief ich die erste zeit fast alleine, mit mir auf dem Weg waren lediglich 2 weitere Pilger zu fuss unterwegs, wir trafen uns zwar jeden Abend, doch war es mir wichtig, trotz allem, die Etappen alleine zu laufen, die ersten beiden Tage waren sehr hart, da ich mich erst 14 Tage vor dem loslaufen, dazu entschieden hatte den Weg zu gehen, hatte ich kaum Zeit mich darauf vorzubereiten, ausser jeden 2ten Tag joggen und hin und wieder mal schwimmen gehen, war ich absolut unvorbereitet!
Die ersten Tage war mein Wasserverbrauch bei ungefähr 5 Liter pro 20 Klometer, am 4ten oder 5 tag war während der ganzen Etappe (30 km) keine Möglichkeit meinen Wasservorrat aufzufüllen, nach 25 km war mein Wasser alle, zum Glück hatte ich eine Strasse gekreuzt, ich hielt einen Lkw an, der mir dann eine halbe Flasche Wasser und eine Dose Cola geschenkt hatte, ich habe mich noch nie über irgend ein Geschenk so sehr gefreut wie über diese beiden Sachen, es war ein faszinierende Erfahrung, mich über so etwas, so unglaublich riesig zu freuen, und doch war auch irgend wo mein Verstand beteilig, es war eine Cola light, einen ganz kurzen Moment dachte ich warum light? Hätte gerne Zucker gehabt! Ja so ist der Kopf…Wie bescheuert ist das den? Die Unzufriedenheit mit dem was ist…die Unzufriedenheit des Verstandes!
Die Sache mit dem "light" ist mir erst wieder auf Teneriffa eingefallen, über 2 Monate später!
Dies war die erste geniale Gefühls Erfahrung des Weges!
Nach diesem Tag hat sich mein Körper völlig automatisch ohne etwas zu tun, auf weniger als 2 Liter Wasser pro 20 km reduziert!
Ich habe viel zulange, nicht daran gedacht was mein Körper leistet! Auch er hat Bedürfnisse und sendet Signale!
Kai
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